Man hätte geglaubt, das Land wäre heilfroh, dass die ärgerlichen Klischees über die Bewohner – Autoschieber, Faulenzer, Trunkenbolde – allmählich verblassen. Man hat gehört, dass Gastronomen in Krakau sowie anderen polnischen Städten die Billigflieger verfluchen, die ihnen Massen britischer Saufbrüder auf der Suche nach preiswerter Dröhnung bescheren. Doch nun stellen sich die Touristenwerber hin und verkünden ganz offensiv: Ja, in Polen wird getrunken. Und das gerne. Am liebsten aber in Gesellschaft. Wodka natürlich, aber auch Bier und – wer hätte das gedacht – Wein. Dahinter steckt eine raffinierte Strategie. So darf dem Alkohol - in Maßen genossen – beim Kulturaustausch eine beschleunigende Wirkung zugeschrieben werden. Auch ließe sich die wahrhaft überwältigende Gastfreundschaft der Polen, die ihren Besuchern zentnerweise Sauerkrauteintopf, Schnitzel und Rouladen zu kredenzen pflegen, nicht ertragen, wenn man nicht zwischendurch einen Klaren kippen dürfte.
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