Jeden Mittag pünktlich um 12 Uhr erscheinen auf dem Uhrturm des Poznaner Rathauses zwei Ziegenböckchen, gehen zwölfmal energisch mit den Hörnern aufeinander los und verschwinden wieder. Die Tiere sollen demjenigen Glück bringen, der sich auf den Rücken einer der Ziegen setzt, sie fest bei den Hörnern packt und sich mit geschlossenen Augen etwas wünscht. Gut gesagt – nur wie soll man zu ihnen in schwindelerregende Höhe kommen? Muss man zum Glück auch gar nicht! Denn seit einiger Zeit ist der Ritt auf einem Bock auch unweit des schönen Renaissance-Rathauses möglich, wo eine Plastik der Maskottchen steht, deren Hörner und Rücken schon ziemlich blank gescheuert sind.
Glück wünschen sich alljährlich insbesondere zur Prüfungszeit auch die rund 120 000 Studenten, der Adam-Mickiewicz-Universität in der alten polnischen Königsstadt. Die Ziegen allerdings sind für einige von ihnen als Glücksbringer nur zweite Wahl. Wer sich zu Höherem berufen fühlt, wagt einen Ritt auf dem Pegasus, der auf dem Dach thronenden »Galionsfigur« des Opernhauses gleich neben dem altehrwürdigen Uni-Gebäude. Nur erwischen lassen dürfen sich die Wagemutigen nicht, wenn auch der eine oder andere Ordnungshüter diskret wegschaut. Die Poznaner lieben ihre Studenten, weil »sie Leben in die alte Stadt bringen, sie lebendig machen und gute Laune verbreiten«, wie Stadtführerin Barbara erzählt.
Da kann dann jeder von uns genug Glück für die anstehende Masterprüfung tanken
Quelle: www.neues-deutschland.de